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Krebsbekämpfung

Für mich ist das eigentliche Krebs­geschwür, das die Erde befallen hat, gar nicht der Mensch, der die Natur kaputt macht. Schon auch, klar. Mir scheint aber eine viel wichtigere Ursache für dieses Geschwür jener Mensch zu sein, der es nicht schafft, aus dem neo­liberalen Hamster­rad Ewigen Konsums und Heiligen Strebens nach Applaus und Bestätigung auszu­steigen, obwohl er aussteigen könnte und eigentlich irgend­wie auch gerne aus­steigen würde. Ich glaube nicht, dass wir das Natur­kaputt­machen besiegen können, solange wir weiter­hin unsere emsige Anwesen­heit im Hamster­rad und den damit einher­gehenden Ersatzbefriedigungen als stets unver­meidlichen Miss­stand betrachten.

Wenn ich mich in all den kleinen und großen Entscheidungen meines all­täglich stets wieder­kehrenden Alltags immer wieder neu dazu durch­ringe, diesen neo­liberalen Dämonen, die sich unserer Seelen bemächtigt haben, Folge zu leisten, dann bekommt mein Leben zwangs­läufig eine immer höhere Geschwindig­keit, dann mache ich diese wahn­witzige Achter­bahn­fahrt mit, halte tapfer Schritt beim Konsumieren, fülle meinen Smart­phone-Kalender bis in die letzten Ecken mit allen Whats­apps, die ich erhalte, um auch ja nichts zu verpassen und um ja nicht nicht von der Urangst allen Lebens befallen zu werden, der Gefahr, aus der blökenden Herde ausge­schlossen zu werden, von der Angst, von jenen exkommuniziert zu werden, von deren Gunst ich meine, abhängig zu sein, denen ich auf Gedeih und Verderb gefallen muss, auch wenn ich mich dabei selbst vergewaltige.

Wenn ich mich aber – zunächst nur in kleinen Dingen – gegen diesen Scheiß entscheide, im kleinen die Bremse rein­haue, wenn ich mich vom Leben ganz vor­sichtig wieder ein­holen lasse, wenn ich durchatme, den Atem spüre, wie er meine Nasen­flügel kühlt, die Lungen dehnt und wieder ganz warm meinen Körper durch die Nasen­löcher verlässt, wenn ich mich ganz uner­wartet und unver­mittelt im Jetzt befinde, wenn ich die Amsel im Baum höre, den sachten Wind in meinen Ohren, wenn ich in mir bin, bei mir, dann habe ich dem Dämon vermutlich erst mal ganz aus Versehen ins Gesicht gespuckt und darf fröhlich lachen.

Ich glaube, dass dies wichtig ist, dass es not­wendig ist. Ich glaube, in einer Zeit not­wendigen gesellschaft­lichen Wandels, in einer Zeit, in der ein voll­kommen unnötiges und menschen­verachtendes neo­liberales Wirtschafts­system immer mehr Menschen aus­saugt und die Menschheits­familie wie ein Krebs­geschwür von innen auffrisst, sich schön langsam und gewöhnungsfähig in immer mehr Bereichen wie Meta­stasen ausbreitet und fest­setzt, in einer Zeit, die so nicht mehr lange gehen kann, ist es not­wendig, einen klaren Kopf zu haben, einen Kopf, der es gelernt hat, Frei­heit zu atmen. In solch einer Zeit, in der Wandel ange­sagt ist, braucht es die radikale Los­lösung von Etiketten und Normen, eine Hin­wendung und tätige Rück­besinnung hin zu echten und wahren Werten.

Hier aber gehe es mir zunächst nicht um die Notwen­digkeit der Rebellion (auf dass sie einmal zur Revolution heran­wachse), es gehe mir hier nicht um die Wichtig­keit der Präsenz von Leben in meinem Leben und Arbeiten, sondern hier gehe es mir um die Lust am Leben, am Allein­sein, um die Lust an der Heilig­keit der Langsam­keit, schließlich auch um die wütende Lust, immer mehr aus meiner Abhängigkeit von Geld hinein in die Abhängigkeit von greif­baren Menschen zu wachsen, die ich viel­leicht zum Teil gar nicht mal so sehr leiden kann, die aber "regional" sind, Teil meines tatsäch­lichen Lebens; in diese Abhängigkeit will ich hinein­wachsen, in die Abhängigkeit von wahrer und echter Gemeinschaft – und in die Abhängikeit von relevanter und sinnvoller Arbeit.

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