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Intuition

Nach der in seiner Zeit geltenden Logik hat Galileo Galilei offensichtlichen Unsinn gesprochen. Erst aus Anerkennung jener neuen Logik, die sich durch Galileis Sicht der Welt ergab, konnte die alte Logik als ungültig erkannt werden. Bis dahin jedoch musste sich der suchende und fragende Geist eines Galileo Galilei das panisch-aggressive Schnappen eines immer offensichtlicher überholten Weltbildes gefallen lassen, eines Weltbildes, das seinen Herrschaftsanspruch über die Weltsicht der Menschen im Angesicht der Vernunfthaftigkeit der neuen Erkenntnisse schließlich eben doch abzutreten hatte.

Noch schwieriger ist es, Szientismus als einen die Realität verkürzenden und damit einen das Leben und den menschlichen Geist einengenden Ismus zu entlarven. Szientismus bedient sich als alleinseligmachendes universales Mittel des Verstandes, der auf die logischen Impulse und Bedürfnisse der linken Gehirnhälfte beharrt wie ein Hund sich in seinen Knochen verbeißen kann. Dem Hund erscheint dies vollkommen logisch, auch wenn er dabei alles andere im Futternapf übersieht. Und wäre der knochige Verstand tatsächlich das ultimativ Gültige, dann wären wir mit den Verlautbarungen szientistischen Vorgehens an der Ultima Ratio der Welterkenntnis angelangt. Der Knochen ist das Einzige für den hungrigen Hund.

Meinem hungrigen Geist dämmert jedoch... Halt! Dämmern ist kein Werkzeug des Szientismus, kein Werkzeug der verstandesmäßigen Vernunft. Es ist ein Werkzeug der intiutiven Vernunft, die den Erkenntnissen des Verstandes widersprechen können (nicht müssen). Intuition also ist für den Verstand kein valides Instrument zur Erkenntnisgewinnung.

Mir dämmert also‚Ķ, dass das Zeitalter der szientistischen Monarchie vorbei sein könnte. Also, zumindest wünsche ich es mir. Ehrlich gesagt, ich habe gar keine Lust, dies verstandesmäßig und logisch zu begründen. Wäre das nicht das Schnappen des Hundes? Ja. Lieber will ich meinem Geist das Dämmern gönnen, das archaisch-kunstvolle Murmeln der rechten Gehirnhälfte. Die linkshirnigen Werkzeuge des Szientismus melden sich bei einem solch illegitimen Vorgehen sofort zur Stelle: Wenn etwas nicht verstandesmäßig belegt ist, nicht widerholbar, dann gilt es nicht. Lob sei allein der linken Gehirnhälfte, der ewig sprudelnden Quelle des Szientismus, der Logik, des Verstandes.

Das ist alte Logik. Kirchenlogik. Wissenschaftslogik. Bald überholte Verkürzungen des Szientismus. Puh. Steile These. Aber ich lasse nicht locker. Ich frage: Werden wir einmal in nicht allzu ferner Zukunft zu unseren Kindern und Enkelkindern sagen: "Damals mussten wir alles verstandesmäßig erfassen und dachten, dass alles verstandesmäßig erfassbar sein müsse, weil alles als verstandesmäßig erfassbar galt?"

Tja. Die intuitive Vernunft. Vernunft umfasst beides: Verstand und Intuition. Intuition mag dem Verstand bisweilen widersprechen, und doch kann es sein, dass intuitive Erkenntnisse, die der Logik des Verstandes widersprechen, dennoch vernünftig sind.

Wie meinen doch manche Wissenschaftler, dass Intuition das große Werkzeug für Entdeckungen ist. Hier muss der Verstand, zunächst jedenfalls, passen.

Ich persönlich vermute, dass nicht nur vorrangig Psychopathen an der Macht unserer Zeit sind, wie Karen Duve wunderbar bissig aus detaillierten Beobachtungen herleitet, sondern auch Menschen, deren Kognition sich nur sehr marginal der Möglichkeiten intuitiver Vernunft bedient, Menschen, deren Einfluss auf die Wissenschaft und das alltägliche Denken jedoch (derzeit noch) immens ist.

Mein Fazit: Mut, den Verstand schweigen (oder halt plappern) zu lassen. Mut zur Intuition. Im Kleinen. Dann im Größeren. Und gemeinsam. Probieren. Hineinwachsen. Gemeinsam. Gemeinsam, denn ein Bauchgefühl, ganz unverstandesmäßig leise murmelnd, sagt mir, dass Intuition und Mut zur Gemeinschaft auf eine Weise zusammengehören wie Verstand und die Angst der Isolation.

Vielleicht verhalten sich diese galileischen Zusammenhänge in etwa so, wie jemand (z. B. aus den Siebzigern), der sich und sein ganzes Sein über das Erwerben, über das Haben und über das Konsumieren definiert, ZUTIEFST nicht nachvollziehen kann, was jemand meint, der sagt, er definiert sich gar nicht über konsumistische oder Haben-orientierte Lebensmotive, sondern eher über... tja, über was denn? Und dann fehlt (noch) die Sprache, denn das einfach zu Formulierende liegt in der weit verbreiteten und gut eingeprägten Haben-orientierten Sicht der Dinge, der Welt und des Lebens. Und das Sein-Orientierte wirkt daneben vollkommen hirnrissig. Mittlerweile, spätestens seit Fromms Ausformulierungen des Unausformulierten und damals schwierig zu Formulierenden, wissen wir das ja und können uns einfach darauf berufen. Ich sage: Es bricht wieder etwas Neues auf, das schwierig zu formulieren ist. Noch. Wahrscheinlich können unsere Kinder und Enkel es besser formulieren. Und leben.

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